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Trinkgeld in der Gastronomie 2026: Steuerfrei oder steuerpflichtig?
Trinkgeld ist für Angestellte steuerfrei, ohne Grenze und auch per Karte. Wann Steuer anfällt: Servicepauschale, Trinkgeld an den Inhaber, Pool, Minijob.

Trinkgeld ist für angestellte Servicekräfte steuerfrei, und zwar ohne Betragsgrenze (§ 3 Nr. 51 EStG). Voraussetzung: Der Gast gibt es freiwillig, ohne Rechtsanspruch und zusätzlich zum Rechnungsbetrag. Das gilt auch bei Kartenzahlung, wenn der Betrieb das Trinkgeld vollständig weitergibt. Steuerpflichtig sind dagegen eine Servicepauschale auf der Rechnung, Trinkgeld an den Inhaber selbst und Beträge, die der Arbeitgeber garantiert.
Kurz gesagt:
- Echtes Trinkgeld an Angestellte ist steuer- und sozialversicherungsfrei, ohne Obergrenze; die frühere Grenze von 1.224 € im Jahr gibt es seit 2002 nicht mehr.
- Bei Minijobbern zählt freiwilliges Trinkgeld der Gäste nicht zur Verdienstgrenze von 603 € im Monat.
- Eine Servicepauschale oder ein Bedienungszuschlag ist Teil des Preises: umsatzsteuerpflichtig und, wenn Sie ihn weitergeben, steuerpflichtiger Arbeitslohn.
- Trinkgeld, das der Inhaber selbst bekommt, ist Betriebseinnahme und unterliegt der Umsatzsteuer.
- Kartentrinkgeld bleibt steuerfrei, wenn Sie es getrennt vom Umsatz erfassen und vollständig an das Team weitergeben.
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Inhaltsverzeichnis
- Ist Trinkgeld steuerfrei? Die Regel nach § 3 Nr. 51 EStG
- Wann wird Trinkgeld steuerpflichtig?
- Trinkgeld bei Kartenzahlung: Ist es steuerfrei?
- Trinkgeld-Pools richtig organisieren
- Trinkgeld im Minijob und beim Mindestlohn
- Dokumentation und Betriebsprüfung: Was das Finanzamt sehen will
- Praxis-Checkliste für Betriebsleiter
- So unterstützt ShiftPriority bei der Trinkgeldverteilung
- Quellen
- FAQ
Ist Trinkgeld steuerfrei? Die Regel nach § 3 Nr. 51 EStG
Ja, für Arbeitnehmer. Steuerfrei sind nach § 3 Nr. 51 EStG Trinkgelder, die
- anlässlich einer Arbeitsleistung gegeben werden,
- einem Arbeitnehmer zufließen,
- von Dritten stammen, in der Gastronomie also vom Gast,
- freiwillig und ohne Rechtsanspruch gezahlt werden,
- zusätzlich zu dem Betrag, der für die Leistung zu zahlen ist, also über den Rechnungsbetrag hinaus.
Eine Betragsgrenze gibt es nicht. Bis Ende 2001 war Trinkgeld nur bis 1.224 € im Jahr steuerfrei; seit 2002 ist es unbegrenzt steuerfrei. Steuerfreies Trinkgeld ist auch beitragsfrei in der Sozialversicherung, und Angestellte müssen es in der Steuererklärung nicht angeben.
Trinkgeld ist also kein Schwarzgeld, solange es bei den Angestellten landet. Die Steuerfreiheit gilt aber nur für Arbeitnehmer, also auch für Minijobber und Auszubildende, nicht für Inhaber und Selbstständige.
Wann wird Trinkgeld steuerpflichtig?
Sobald eine der Voraussetzungen fehlt. In der Gastronomie sind das vor allem vier Fälle:
- Servicepauschale oder Bedienungszuschlag. Steht ein fester Betrag oder Prozentsatz für den Service auf der Rechnung, muss der Gast ihn zahlen. Das ist kein Trinkgeld, sondern Teil des Preises: Er gehört zum umsatzsteuerpflichtigen Entgelt des Betriebs, auch wenn das Personal ihn behält (Abschnitt 10.1 Abs. 5 UStAE), und wenn Sie ihn an Mitarbeitende weitergeben, ist er steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn. Mehr dazu im Beitrag zur Servicepauschale in der Gastronomie.
- Trinkgeld an den Inhaber. Wer als Inhaber selbst bedient und Trinkgeld bekommt, hat eine Betriebseinnahme. Sie unterliegt der Einkommensteuer und gehört nach Abschnitt 10.1 Abs. 5 UStAE auch zum umsatzsteuerpflichtigen Entgelt.
- Garantierte Beträge. Zahlt der Arbeitgeber einen festen “Trinkgeld”-Betrag, der nicht vom tatsächlichen Trinkgeld der Gäste abhängt, stammt das Geld nicht von Dritten, und es besteht ein Rechtsanspruch. Das ist Arbeitslohn.
- Vom Arbeitgeber verwaltete Töpfe. Sammelt der Arbeitgeber das Trinkgeld und verteilt es nach eigenem Ermessen, kann die Steuerfreiheit entfallen. Mehr dazu im Abschnitt zu Trinkgeld-Pools.
Umgekehrt gilt: Echtes Trinkgeld an das Personal gehört nicht zum Umsatz des Betriebs. Umsatzsteuer fällt darauf nicht an, weder 7 % noch 19 %.
Trinkgeld bei Kartenzahlung: Ist es steuerfrei?
Ja, wenn Sie es vollständig an das Team weitergeben. Beim Kartentrinkgeld fließt das Geld zunächst mit dem Rechnungsbetrag auf das Konto des Betriebs, und Sie zahlen den Trinkgeldanteil anschließend an die Mitarbeitenden aus, bar aus der Kasse oder mit der Lohnabrechnung als steuerfreien Betrag. Am Charakter als Trinkgeld ändert der Zahlungsweg nichts, solange der Gast es freiwillig gegeben hat und es ungeschmälert beim Personal ankommt.
Entscheidend ist die saubere Trennung vom Umsatz:
- Getrennt buchen: Elektronische Kassen erfassen Trinkgeld für Angestellte nach der Kassen-Schnittstelle DSFinV-K als eigenen Geschäftsvorfall (TrinkgeldAN), getrennt vom Umsatz; Trinkgeld für den Inhaber läuft als TrinkgeldAG.
- Täglich abgleichen: Das Trinkgeld aus Kartenzahlungen auf dem Tagesabschluss sollte zu den Auszahlungen an das Team passen.
- Zeitnah auszahlen: Legen Sie einen festen Termin fest, etwa täglich aus der Kasse oder wöchentlich, und halten Sie jede Auszahlung fest.
Wie Sie Kartentrinkgeld Schritt für Schritt in der Kasse erfassen, zeigt der Beitrag zum Trinkgeld bei Kartenzahlung.
Profi-Tipp: Richten Sie die Trinkgeld-Buchung in Ihrer Kasse ein, bevor Sie die Trinkgeldfunktion am Kartenterminal aktivieren. Nachträgliches Umbuchen alter Umsätze ist mühsamer als eine korrekte Ersteinrichtung.
Trinkgeld-Pools richtig organisieren
Viele Betriebe sammeln das Trinkgeld und verteilen es nach einem Schlüssel, oft auch an die Küche. Steuerlich ist das nicht ohne Risiko: Die Minijob-Zentrale weist darauf hin, dass die Steuerfreiheit entfallen kann, wenn der Arbeitgeber das Trinkgeld in einem Topf sammelt und unter allen Mitarbeitenden verteilt. Der Bundesfinanzhof hat die Steuerfreiheit für den Tronc einer Spielbank verneint (Urteil vom 18. Dezember 2008, VI R 49/06), weil die Spielbank die Gelder selbst vereinnahmen und verwalten musste und kein persönlicher Bezug zwischen Gast und Empfänger mehr bestand.
Ein Restaurant-Pool ist nicht dasselbe wie ein Spielbank-Tronc, aber je mehr der Betrieb über das Geld bestimmt, desto größer das Risiko. So bleibt der Pool nah am Trinkgeld der Gäste:
- Das Geld bleibt Geld der Gäste. Der Betrieb behält nichts ein, garantiert keinen festen Betrag und verrechnet das Trinkgeld nicht mit Löhnen oder Kosten.
- Der Schlüssel steht vorher fest. Halten Sie schriftlich fest, nach welchem Schlüssel verteilt wird, etwa nach Stunden oder nach Rollen, und stimmen Sie ihn mit dem Team ab.
- Vollständig und regelmäßig auszahlen. Zahlen Sie alles aus, zu einem festen Termin.
- Jede Verteilung dokumentieren. Wer wann wie viel erhalten hat, muss sich nachvollziehen lassen.
Stimmen Sie Ihr Pool-Modell vor dem Start mit Ihrer Steuerberatung ab. Welche Verteilschlüssel es gibt und wie sie rechnen, zeigt die Übersicht der Methoden für den Trinkgeld-Pool.
Trinkgeld im Minijob und beim Mindestlohn
Für Minijobber gelten dieselben Regeln wie für alle Angestellten. Nach der Minijob-Zentrale sind Trinkgelder steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn Gäste sie freiwillig und zusätzlich zum Rechnungsbetrag direkt an die Minijobberin oder den Minijobber zahlen, und sie werden bei der Verdienstgrenze nicht berücksichtigt. Die Grenze von 603 € im Monat (Stand 2026) gilt also nur für den Lohn. Eine Servicepauschale, die Sie weitergeben, zählt dagegen als Lohn mit.
Trinkgeld darf den Lohn nicht ersetzen: Die Zahlung eines regelmäßigen Arbeitsentgelts kann nicht deshalb ausgeschlossen werden, weil Mitarbeitende Trinkgeld bekommen (§ 107 Abs. 3 GewO). Den Mindestlohn von 13,90 € pro Stunde müssen Sie deshalb vollständig selbst zahlen; Trinkgeld der Gäste kommt obendrauf. Mehr dazu im Beitrag zum Mindestlohn in der Gastronomie.
Dokumentation und Betriebsprüfung: Was das Finanzamt sehen will
Eine Betriebsprüfung in der Gastronomie schaut fast immer auf die Kassenführung, und Trinkgeld ist ein Teil davon. Lücken führen schnell zu Zuschätzungen.
- Kassendaten bereithalten. Tagesabschlüsse und Kassenjournal müssen lückenlos für den Prüfungszeitraum vorliegen, bei elektronischen Kassen mit Signatur der TSE.
- Auszahlungslisten führen. Wer wann wie viel Trinkgeld erhalten hat, muss sich im Nachhinein nachvollziehen lassen.
- Aufbewahrungsfristen einhalten. Bücher und Aufzeichnungen bewahren Sie zehn Jahre auf, Buchungsbelege acht Jahre (§ 147 Abs. 3 AO).
- Servicepauschalen richtig abrechnen. Weitergegebene Bedienungszuschläge laufen über die Lohnabrechnung, nicht als steuerfreies Trinkgeld.
- Steuerberatung früh einbinden. Gerade bei gemischten Zahlungswegen aus Bargeld, Karte und Lieferplattformen lohnt sich ein Blick auf die Abläufe, bevor der Prüfer ihn wirft.
Fällt bei einer eigenen Prüfung ein Fehler aus der Vergangenheit auf, etwa eine als Trinkgeld behandelte Servicepauschale, sollte Ihre Steuerberatung zeitnah eine Berichtigung prüfen.
Profi-Tipp: Bewahren Sie Auszahlungslisten für Trinkgeld getrennt von den normalen Lohnunterlagen auf. Bei einer Prüfung finden Sie sie schneller und zeigen, dass Sie Lohn und Trinkgeld sauber trennen.
Praxis-Checkliste für Betriebsleiter
- Kasse einrichten. Trinkgeld getrennt vom Umsatz buchen, bei elektronischen Kassen als TrinkgeldAN, und den täglichen Abgleich als festen Termin einplanen.
- Regeln festhalten. Pool-Schlüssel schriftlich festlegen, mit dem Team abstimmen und einen Auszahlungsturnus bestimmen.
- Rechnungen prüfen. Steht irgendwo ein fester Service-Betrag, ist das eine Servicepauschale und kein Trinkgeld.
- Lohn und Trinkgeld trennen. Mindestlohn vollständig zahlen, Trinkgeld obendrauf.
- Steuerberatung einbinden. Besonders bei Pools, bei Lieferplattformen und wenn der Inhaber selbst im Service arbeitet.
Eine Vorlage zur Verbindung von Dienstplan und Kassendaten hilft dabei, Personalkosten und Trinkgeldflüsse im Blick zu behalten, statt sie erst am Monatsende zusammenzurechnen.
So unterstützt ShiftPriority bei der Trinkgeldverteilung
ShiftPriority berechnet die Trinkgeldverteilung nach den Regeln, die Ihr Betrieb festlegt: als Trinkgeldtopf nach Arbeitsstunden, Rollengewichtung oder eigenen Gewichten oder als prozentualen Tip-Out. Jede Aufteilung wird nachvollziehbar dokumentiert, und Mitarbeitende sehen ihre eigenen Anteile in der App. Mit Square oder SumUp fließen Umsätze und Kartentrinkgeld automatisch ein, ohne Kassenanbindung tragen Sie die Beträge von Hand ein. Eine Servicepauschale lässt sich getrennt in Lohnexporte und Berichte einbeziehen. Ausgezahlt wird weiterhin durch Ihren Betrieb, der die Auszahlung in der App als erledigt markiert; die steuerliche Behandlung bleibt Sache Ihrer Lohnbuchhaltung. Mehr dazu auf der Seite zur Trinkgeldverteilung in der Gastronomie und im kostenlosen Trinkgeldrechner.
Quellen
Stand: September 2026. Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine Steuerberatung.
- § 3 Nr. 51 EStG: Steuerfreiheit von Trinkgeldern
- § 107 GewO: Berechnung und Zahlung des Arbeitsentgelts
- § 147 AO: Ordnungsvorschriften für die Aufbewahrung von Unterlagen
- Minijob-Zentrale: Minijobs in der Gastronomie
- Bundesfinanzhof, VI R 49/06: Spielbanktronc (openJur)
FAQ
Ist Trinkgeld in der Gastronomie steuerpflichtig?
Für Angestellte nein: Freiwilliges Trinkgeld der Gäste ist nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei, ohne Betragsgrenze. Steuerpflichtig sind eine Servicepauschale, Trinkgeld an den Inhaber und Beträge, die der Arbeitgeber garantiert.
Gibt es eine Grenze, bis zu der Trinkgeld steuerfrei ist?
Nein. Die frühere Grenze von 1.224 € im Jahr wurde 2002 abgeschafft. Seitdem ist Trinkgeld für Arbeitnehmer unbegrenzt steuerfrei.
Muss ich Trinkgeld ab 2026 versteuern?
Nein. Stand September 2026 gilt die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 51 EStG unverändert.
Ist Trinkgeld bei Kartenzahlung steuerfrei?
Ja, wenn der Gast es freiwillig gibt und der Betrieb es vollständig an das Personal weitergibt. Buchen Sie es in der Kasse getrennt vom Umsatz und halten Sie die Auszahlungen fest.
Muss ich Trinkgeld mit 7 % oder 19 % Umsatzsteuer versteuern?
Trinkgeld an das Personal gehört nicht zum Umsatz des Betriebs, Umsatzsteuer fällt nicht an. Eine Servicepauschale und Trinkgeld an den Inhaber sind dagegen Teil des Entgelts und werden mit dem Steuersatz der jeweiligen Leistung versteuert.
Ist das Trinkgeld für den Betriebsinhaber steuerpflichtig?
Ja. Die Steuerfreiheit gilt nur für Arbeitnehmer. Trinkgeld an den Inhaber ist Betriebseinnahme und unterliegt der Einkommen- und der Umsatzsteuer.
